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Christina und Steffen waren vom 12. – 21. Mai 2026 gemeinsam in Norwegen unterwegs und berichten von ihren Erfahrungen.

Reiseroute: Bergen – Ytre Sula – Måløy – Vogelinsel Runde – Rørvik – Gutvik – Sandnessjøen – Insel Rødøy – Bodø

Wir starteten unseren Törn mit einer Bahnfahrt zum Flughafen Hamburg, wo wir bereits unseren Skipper Martin trafen. Von dort ging es mit einer kleinen Turboprop-Maschine – Ohrstöpsel nicht vergessen! – nach Bergen, Norwegen. Dort wartete bereits die Vellamo auf uns: eine Nautors‘ Swan 48 aus dem Jahr 1974 nach einem Entwurf von Sparkman & Stephens. Ein absoluter Langstrecken-Sprinter. Mit an Bord waren neben uns drei weitere Mitsegler sowie unser Skipper.

Von Bergen aus ging es bei 3–4 Bft aus westlicher Richtung nach Norden. Bei Halbwind und voller Besegelung – Genua, Fock und Groß – liefen wir mit 8 Knoten Marschfahrt Richtung Ytre Sula, wo wir in einer einsamen Ankerbucht unser Nachtlager aufschlugen. Schon nach dem ersten Tag war klar: Martin ist zwar Schiffsführer, überlässt der Crew aber das kompleSchiff und unterstützt, wo er gefragt wird.

Am nächsten Tag verließen wir die Bucht unter Motor und segelten anschließend am Wind bei kaltem Nordwind durch die Meerenge Frøysjøen – vorbei an „Hornelen“, der höchsten Meeresklippe Europas – nach Måløy, wo wir im Hafen festmachten. Am darauffolgenden Tag hieß es abwettern: Ein Sturm hatte uns erreicht, und die nächste Etappe um die Halbinsel Stad gilt es bei mehr als 6 Bft zu meiden. Den Hafentag nutzten wir zum Bunkern und für ausgiebige Kulinarik an Bord.

Von Måløy aus brachen wir früh auf, da wir die Vogelinsel Runde noch am Abend erkunden wollten. Auf Runde nisten zahlreiche Vogelarten, darunter auch Papageitaucher. Nach dem Anlegen machten wir uns auf zu einer spätabendlichen Wanderung zu den Nistplätzen.

Es folgte die längste Etappe der Reise: Von Runde aus ging es non-stop nach Rørvik. Da der Törn Bergen–Bodø normalerweise in drei bis vier Wochen gesegelt wird, waren zwei aufeinanderfolgende Nachtfahrten unvermeidlich. In zwei Schichten à drei Personen segelten wir durch die nordische Mitternachtssonne – wirklich dunkel wurde es nicht. Tagsüber stand der Gennaker, nachts liefen wir 8 Knoten hoch am Wind. Nach 225 Seemeilen und 41 Stunden non-stop erreichten wir in den frühen Morgenstunden Rørvik. Hier hieß es zunächst: ausschlafen.

In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter zum Guten gewendet: Sommerliche 18 Grad, strahlender Sonnenschein und dazu 18 Knoten Wind bescherten uns eine aufregende Kreuz bis nach Gutvik, wo wir inmitten einer kleinen Bucht den Anker fallen ließen.

Am nächsten Morgen brachen wir Richtung Sandnessjøen auf. Dort war – zumindest laut Online-Auskunft – eine elektrische Bilgepumpe zu erwerben, denn unsere hatte inzwischen das Zeitliche gesegnet. An einer 52 Jahre alten Fahrtenyacht ist eben immer etwas zu tun. Die Etappe führte uns an den „Seven Sisters“ vorbei, einer Bergkette mit sieben schneebedeckten Gipfeln.

Unser vorletzter Schlag brachte uns schließlich über den Polarkreis. Hier drehten wir eine Ehrenrunde und stießen gemeinsam an – schließlich segelt man nicht jeden Tag in die Arktis und wieder zurück! Bei herrlichstem Segelwetter und Sonnenschein war das Ziel an diesem Tag die Insel Rødøy, die von weitem einem schlafenden Löwen ähnelt. Direkt vor dem „Löwen“, in einer kleinen Bucht, ließen wir den Anker fallen. Christina und ein weiterer Mitsegler ließen es sich nicht nehmen, im Nordmeer oberhalb des Polarkreises zu baden – bei 9 °C Wassertemperatur ein kurzes Vergnügen. Gut, dass das Schiff Warmwasserduschen hat.

Unsere letzte Etappe begann früh morgens mit dem Aufholen des Ankers. Der Schlag bis Bodø ist lang, der Wind schwach – nur 2–3 Bft. Dafür war das Wetter wieder herrlich, wenngleich durch den nahegelegenen Svartisen-Gletscher und den Nordwind empfindlich kalt. Hier zeigte sich erneut die Stärke der Vellamo: aus sieben bis zehn Knoten Wind generieren Genua und Großsegel am Wind bereits fünf bis sieben Knoten Fahrt über Grund. Nach 70 Tagesmeilen und insgesamt 588 Seemeilen erreichten wir unser Ziel, den Gasthafen Bodø, planmäßig gegen 21:30 Uhr.

Als Fazit bleibt zu sagen: Norwegen zählt zu den beeindruckendsten und schönsten Segelrevieren der Welt – ein Revier, das man unbedingt gesehen haben sollte. Martin ist ein erfahrener Skipper, der uns das Schiff mit großem Vertrauen überlassen hat. Es war quasi wie Chartern, nur besser: Man konnte dabei noch jede Menge lernen.

Text und Fotos: Christina und Steffen Pfeil

Wichtiger Hinweis für Mitglieder der SSG:
Wir planen im Juni 2027 einen geführten Törn entlang der norwegischen Nordmeerküste mit der Vellamo.
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